Sprechblasen

Stilblüten des Kunstjargons


#10) Gefunden in der Ankündigung zum Tower von Random International in Essen

Die Installation soll mithilfe der Sinne die Möglichkeit der Annäherung und Interaktion mit einer historischen industriellen Stätte erforschen, die nie als Ort sozialer Begegnung gedacht war.

#9) Gefunden im Katalogtext zur Ausstellung von Felix Schramm in der Galerie Max Mayer

Ein Ereignis beginnt zwei Seiten zu haben, wenn sich der Standpunkt des Betrachters verschiebt, wenn sich die Wände der Gedanken weiten und den Durchbruch in den Raum stellen. Der Moment des Wechsels von Perspektive und Position, ja die nahezu gekrümmte Haltung des Blicks wird zum Gegenstand, durch welche die Verschiebung an neuer Form gewinnt.

#8) Gefunden in Ankündigung der Ausstellung von Stefan Müller im Kölnischen Kunstverein

Sein Umgang mit Leinwand, Farbe, Material und Technik ist nicht abstrakt sondern als konkrete Auseinandersetzung mit Sehnsüchten, Beziehungen, dem eigenen Erleben und der alltäglichen Suche nach Transzendenz zu betrachten. Pinselstriche, deren Farben sich während ihres vagen Verlaufs flackernd verändern, können Gemütszustände assoziieren. Woanders verdichten sich Buntstiftlinien zu Spiralen, die um sich selbst kreisen wie Gedanken, die zu keinem Schluss führen.

#7) Gefunden in Texte zur Kunst, Heft 88, S. 33

Mit der Marx'schen Werttheorie zu arbeiten bedeutet allerdings auch, dass der Warencharakter der Kunst umstandslos vorausgesetzt wird. Schließlich sind Waren für Marx derjenige Ort, an dem sich Wert kristallisiert. Der Wert setzt Warenförmigkeit voraus, so wie die Waren durch ihren Wert charakterisiert sind. Im Hinblick auf die Wertfrage müssten demnach auch Kunstwerke als Waren angesehen werden.

#6) Gefunden in einer Seminarankündigung der HFBK Hamburg

Ausgehend von der Untersuchung privilegierter weißer Sprechpositionen im Film und deren ideologischen Implikation innerhalb der Filmtechnik richtet sich der Fokus unseres folgenden Seminars auf die Geschichte des Farbfilms und dessen Praktiken der Farbgebung. Farbe im Film ist sowohl in der Filmforschung als auch im praktischen Filmstudium ein bislang eher wenig beachtetes Thema. Die Farbräume verteilen die Farben jedoch nicht hierarchiefrei, sondern Farbe verteilt und orientiert sich entlang normierender und naturalisierender Kategorien, interagiert mit Vorstellung von Geschlecht, Klasse, ethnischer Zugehörigkeit und bringt diese Vorstellungen und Materialitäten wiederum mit hervor.

#5) Gefunden im Pressetext zur Wir sind die anderen der DZ Bank Kunstsammlung in Frankfurt

Allein ist der Mensch ziemlich aufgeschmissen. Er kann sich noch nicht einmal in Gänze selbst betrachten. Er benötigt ein Abbild, er braucht das Wir. Wir sind immer auch andere, andere sind immer zugleich auch wir.

#4) Gefunden im Pressetext zu Beyond Faces in der Galerie Camera Work Berlin

Wenn Lebensentwürfe sich unterscheiden und nicht selten damit einhergehend äußere Charakteristika und Fassaden den Blick auf einen Menschen bestimmen, dann vermag es alleinig die Photographie, die »Seele« des Menschen ungefiltert zu zeigen.

#3) Gefunden in der Einladung zu BL33N in der Galerie Contributed Berlin

BL33N revolutioniert eine neue Form der Kunst. Sexualität sollte nicht in Tabus gezwängt werden, sondern wahrgenommen und zelebriert werden. [...] Der erstaunliche Aspekt an diesem Projekt ist die Interaktion zwischen gemachten Fotografen, unbekannten Künstlern und willkürlichen Abbildungen, die einfach passen und als schön empfunden werden.

#2) Gefunden in der Einladung zu Form from Function im REH Berlin

Jedes der ausgewählten Werke unterscheidet sich stark voneinander, ohne einen gemeinsamen konzeptuellen oder formalen Ansatz zu haben. Die ausgewählten Kunstwerke verbergen nicht die vorherige funktionale Identität ihrer einzelnen Teile. Die Ehrlichkeit zu den Materialien spielt mit dem Gedankengang des Betrachters auf die vorherigen Objekte und der Intention des Künstlers innerhalb der neuen Form.

#1) Gefunden in der Einladung zu about:blank in der Kunsthalle Münster

Allein der Augenblick des Schauens vermag einen überraschenden Denkraum zu öffnen, in dem das Wechselspiel bzw. Spannungsverhältnis aus Kunstwerk und dessen Betrachtung bildwert zu einer sinnlich poetischen Erfahrung werden kann – in der die Arbeiten sich plötzlich umgekehrt als Figuren ihrer eigenen Wahrnehmung ausweisen und damit nicht zuletzt den Prozess des Sehens und Denkens selbst widerspiegeln.