Kurzmitteilungen

Kunstkritik im SMS-Format


#22) 160 Zeichen zu Aleen Solari bei Diane Kruse

Zur Eröffnung: Chillende Teenager, sichtlich angeödet vom Kunstpublikum. Letzteres hatte wiederum an einer Bar die Wahl zwischen hässlichen Keramiken und Schokoriegeln. Gefährlicher Stillstand auf den Punkt gebracht: Keiner verlässt sein Paralleluniversum!

#21) 160 Zeichen zur Macht der Machtlosen in der Kunsthalle Baden-Baden

Ein weiteres Beispiel dafür, wie nebeneinandergestellte Positionen verlieren, wenn man ihre Politiken nicht verdichtend zusammenführt. Ergebnis: Politkitsch als Ganzes, trotz starker Einzelpositionen.

#20) 160 Zeichen zu Christoph Schlingensief in den KW Berlin

Wo Schlingensief brillierte: bei öffentlichen Aktionen und Gesprächen mit Alexander Kluge. Wo nicht: im Theater, bei Filmen und Ausstellungen. Schon das erklärt, warum dieses überbordende Vollprogramm leider chancenlos scheiterte.

#19) 160 Zeichen zu Mike Bouchet und Paul McCarthy im Portikus

Installativer Fäkalhumor mit kritischem Anspruch. Die rotzige Gestik von Sperrholzbauten und Wanddurchbrüchen hat zwar auch schon einen Bart, ist aber immer noch besser als Rehbergers Interior Design in der Schirn. Für Freunde von Team America.

#18) 160 Zeichen zu Max Friesinger bei Katharina Bittel

Keine wirklich überzeugende Arbeit, dafür eine überzeugende Botschaft: Friesinger sucht Wege aus dem künstlerischen Desaster bei CFA. Das Potenzial hat offenbar überlebt.

#17) 160 Zeichen zu Christoph Girardet und Matthias Müller im Kunstverein Hannover

Elegant, klug, anrührend: Girardet und Müller zeigen, dass sich am Schnittplatz visuelles, strukturelles und dramaturgisches Denken auf ideale Weise verbinden – im besten Fall.

#16) 160 Zeichen zu Gerhard Richter im Kunstbau München

Leider nicht besser als beliebiges Flickr-Album in Naturholzrahmen. Und noch etwas kennt man aus dem Netz: Gegen den Relativismus der Masse kann sich eigentlich nur eine Bildkategorie behaupten. Hier zeigt sie eine nackte Isa Genzken.

#15) 160 Zeichen zu Lutz Bacher in der Kunsthalle Zürich

Noch ein Oeuvre, das ankündigt sich „jeglicher Kategorisierung“ zu „entziehen“ und natürlich zugleich doch auf irgendwie total relevante Themen wie „Identität“, „Sexualität“, „Materialität“ oder „Popkultur“ zu „verweisen“. Tatsächlich: ziemlich zusammenhanglose Materialsammlung. Mit anderen Worten: egal!

#14) 160 Zeichen zu GCC bei Kraupa-Tuskany Zeidler

Feines multimediales Surrounding eröffnet einem die Zauberwelt arabischer Eröffnungen. Einführung ins zelebrierte Bau-dir-was der Ölscheichs. Nervig allein die Metallobjekte – arg gewollt und wie dazugestellt. Bekanntes Problem der Abteilung Postinternet: dieser streberhafte Wille zur Kunst.

#13) 160 Zeichen zu Aernout Mik im Haus der Kulturen der Welt

Nicht seine beste Arbeit, aber was heißt das schon bei einem der besten Künstler dieser Tage. Aktionärsversammlung trifft Pfingstgottesdienst. Pflichttermin für die letzten Gläubigen der Gegenwartskunst, die in Berlin noch nicht den Geist aufgegeben haben.

#12) 160 Zeichen zu Simon Denny im MUMOK Wien

Vielleicht noch kulturhistorisch interessant, als Kunstausstellung aber relativ wertlos. Es entsteht keine Synthese, die der dokumentarischen Qualität der Artefakte etwas hinzufügen könnte.

#11) 160 Zeichen zu Frauen - Liebe und Leben im Lehmbruck Museum Duisburg

Maria Lucia und Ingo Klöcker sammeln einzig mit dem Maßstab ihrer persönlichen Ästhetik. Schön für die Beiden, weniger für Betrachter, die dem Kapital ein weiteres Mal bei der Entdeckung der Philosophie zuschauen müssen: Frauen, Sex und hübsche Bilder. Olbricht lässt grüßen.

#10) 160 Zeichen zu Ohnmacht als Situation im Kunstverein Frankfurt

Das Video Ser y Durar von Democracia ist auch Sinnbild der Ausstellung: ein actionreicher Parkour durch die Ruinen entleerter Revolutionssymbolik. Am Ende leider mehr rumgelaufen in als auferstanden aus.

#9) 160 Zeichen zu Philip-Lorca diCorcia in der Frankfurter Schirn

Sieben Kabinette mit ikonografischen Gemäldefotografien; mit dem Soundtrack der benachbarten Modeausstellung (die durch die Wand zu hören ist) wirken die wie eingefrorene Kinoepen. Wenn Salonkunst, dann bitte genau so.

#8) 160 Zeichen zu John Bock im Kunstverein Hamburg

Ziemlich schade, dass John Bock inhaltlich so wenig abzugewinnen ist. Dass er nämlich Gespür für Material und Inszenierung besitzt, stellt er hier einmal mehr unter Beweis. Nur reicht das allein nicht mehr. Dadaismus? Gaga ist heute ein Popstar!