Kurzmitteilungen

Kunstkritik im SMS-Format

Töpfern im Zeitalter des Digitaldrucks: „Pathfinder“, 2014

#30) 160 Zeichen zu Katja Novitskova bei Kraupa-Tuskany Zeidler

Novitskova erklärt, warum online verbreitetes NASA-Bildmaterial Verschwörungstheoretiker nährt. Leider nur im Begleittext interessant. Die Ausstellung selbst begnügt sich mit der formalen Behauptung eines Stils. Post-Internet? Houston, wir haben ein Problem!

AUSSTELLUNG 3. Mai bis 26. Juni 2014 bei Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin

#29) 160 Zeichen zu Mikka Wellner bei ATP Bahrenfeld

Tennistalent scheitert am Zufall. Installatives Dokudrama zur Mechanik von Erfolg und Misserfolg. Universell, aber zur richtigen Zeit am passenden Ort. In ihrer Analogie zur Kunst ein echtes Statement. Spiel, Satz, Sieg!

AUSSTELLUNG 18. Mai, ATP Bahrenfeld

#28) 160 Zeichen zu Wilhelm Klotzek im Nassauischen Kunstverein

Halb voll: Materialien sind erfrischend uncool, fast nostalgisch, die Referenzen sind greifbar, die Sprache zugänglich – hallo, Herr Nachbar! Halb leer: Der Humor ist etwas tantig und die Literaturbeigaben nur mediokre Slam Poetry.

#27) 160 Zeichen zu War Gamez in der Halle 14

Kampfansage an jede Form von Reizarmut! ADHS meets LSD. Überzeugt als Tumbl-Blog, weniger als Ausstellung. Dort sitzt dem Besucher ein quälendes Wozu im Nacken, auf das er keine Antwort findet. Trashästhetischer God Mode mit vollem Waffenarsenal – allein es fehlt der Gegner.

#26) 160 Zeichen zu Ed Atkins in der Kunsthalle Zürich

Seine bekannten, hyperrealistischen Videos sind auf eine faszinierende Weise leer. Seine neuerlichen installativen Anbauten (Plakate, Texttafeln, …) auf eine völlig unfaszinierende Weise hohl. Letztere bitte beim nächsten Mal weglassen.

#25) 160 Zeichen zu Pool – Kunst aus London in der Kestnergesellschaft Hannover

Minimalistische Egal-Kunst, die schon jetzt keinen interessiert. Trotzdem beste Chancen auf eine Kurzstrecke in der Diskurslaufbahn. Zumindest bei jenem Rundlauf, in der Kunst nur ein anderes Wort ist für fragile Wohnaccessoires.

#24) 160 Zeichen zu Wade Guyton bei Gisela Capitain

Guyton sucht Auswege aus seinem verfahrenen Bildkonzept. Dieser führt in eine Sackgasse: Sinnlose formale Anpassung der Bildformate an den Raum gepaart mit coolen Möbel-Skulpturen. Und jetzt?

#23) 160 Zeichen zu Tobias Rehberger in der Frankfurter Schirn

Der retrospektive Part musealisiert voreilig: Bitte nichts anfassen! Dabei ist die neue Rauminstallation doch eine vitale Kampfansage an die Digital Natives von Denny bis Si-Qin: Ihr habt mir meinen Style geklaut!

#22) 160 Zeichen zu Aleen Solari bei Diane Kruse

Zur Eröffnung: Chillende Teenager, sichtlich angeödet vom Kunstpublikum. Letzteres hatte wiederum an einer Bar die Wahl zwischen hässlichen Keramiken und Schokoriegeln. Gefährlicher Stillstand auf den Punkt gebracht: Keiner verlässt sein Paralleluniversum!

#21) 160 Zeichen zur Macht der Machtlosen in der Kunsthalle Baden-Baden

Ein weiteres Beispiel dafür, wie nebeneinandergestellte Positionen verlieren, wenn man ihre Politiken nicht verdichtend zusammenführt. Ergebnis: Politkitsch als Ganzes, trotz starker Einzelpositionen.

#20) 160 Zeichen zu Christoph Schlingensief in den KW Berlin

Wo Schlingensief brillierte: bei öffentlichen Aktionen und Gesprächen mit Alexander Kluge. Wo nicht: im Theater, bei Filmen und Ausstellungen. Schon das erklärt, warum dieses überbordende Vollprogramm leider chancenlos scheiterte.

#19) 160 Zeichen zu Mike Bouchet und Paul McCarthy im Portikus

Installativer Fäkalhumor mit kritischem Anspruch. Die rotzige Gestik von Sperrholzbauten und Wanddurchbrüchen hat zwar auch schon einen Bart, ist aber immer noch besser als Rehbergers Interior Design in der Schirn. Für Freunde von Team America.

#18) 160 Zeichen zu Max Friesinger bei Katharina Bittel

Keine wirklich überzeugende Arbeit, dafür eine überzeugende Botschaft: Friesinger sucht Wege aus dem künstlerischen Desaster bei CFA. Das Potenzial hat offenbar überlebt.

#17) 160 Zeichen zu Christoph Girardet und Matthias Müller im Kunstverein Hannover

Elegant, klug, anrührend: Girardet und Müller zeigen, dass sich am Schnittplatz visuelles, strukturelles und dramaturgisches Denken auf ideale Weise verbinden – im besten Fall.

#16) 160 Zeichen zu Gerhard Richter im Kunstbau München

Leider nicht besser als beliebiges Flickr-Album in Naturholzrahmen. Und noch etwas kennt man aus dem Netz: Gegen den Relativismus der Masse kann sich eigentlich nur eine Bildkategorie behaupten. Hier zeigt sie eine nackte Isa Genzken.