Antwort auf die Frage „Wie wir arbeiten wollen“ verspricht das Cover der neuen Texte zur Kunst. „Schreibt, was ihr wollt“ wäre der ehrlichere Titel gewesen, denn so oder ähnlich lautete die Ansage der neuen Chefredaktion an die Autoren dieser themenfreien Ausgabe. Jutta Koether schreibt über Jo Baer, Helmut Draxler über Ambivalenz, die nicht mit Uneindeutigkeit zu verwechseln sei, Tom Holert ersinnt die Komfortgesellschaft und Isabelle Graw lässt Kollegen über die Rezeption Martin Kippenbergers nachdenken, „gerade weil sich diese Zeitschrift dem Projekt „Kippenberger“ von Anfang an in einer Mischung aus Distanz und Involviertheit kritisch verschrieben hat“. Gut möglich, dass Roberto Ohrt, der die Retrospektive im Hamburger Bahnhof für Frieze d/e kommentiert, auch diese Mischung meint, wenn er erinnert, wie unpassend die „verschwenderische Unberechenbarkeit“ Kippenbergers in den Neunzigern empfunden wurde, als „Parteigänger der neuen Strömung (gelegentlich „Kontext-Kunst“ genannt) sich von den schwer formalisierbaren Eskapaden zunehmend in Frage gestellt fühlten. So manche Figur aus dem ehemaligen Freundeskreis wusste plötzlich, dass dieser „Kippenberger mit seinem Zirkus“ nicht mehr sein muss; Distanzen, die sofort wieder verflogen, als er gestorben war.“ Sehr lesenswert ist auch das Interview mit Werner Büttner, der ja immer wieder mal als eigentlicher Urheber des kippenbergerschen Wortwitzes gehandelt wird. „Große Teile des Feuilletons“, kritisiert Büttner, enthielten sich in Sachen Kunst heute selbst bei „haarsträubenden Fehlentwicklungen“ der Wertung. Dummerweise habe sich die amerikanische Weisheit durchgesetzt, eine Ausstellung müsse in sieben Minuten gesehen und verstanden werden können. „Sonst schafft man ja das Gallery Weekend nicht.“ Oder die Venedig-Biennale, zur der nun auch FAZ, Süddeutsche und Zeit ihre großen Kritiken online haben.